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Paalen in seinem Studio in San Angel, Mexiko 1945
Foto Walter Reuter |
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Andreas Neufert
Einführung in die Ausstellung des Paalen Archivs im Web
Ich danke Ihnen für Ihr Interesse und begrüße vor allem die
spontan und ohne gezieltes Wissen hier erschienenen Besucher sehr herzlich zu
unserer Ausstellung.
Wir haben diese kleine Retrospektive der Werke Wolfgang
Paalens im Web zusammengestellt um an einen Künstler zu erinnern und Ihnen,
meine sehr verehrten Gäste und Freunde des Paalen Archivs Berlin die Gelegenheit
zu geben einen Künstler zu entdecken, der vielleicht wie kein anderer auf dem
Gebiet der Kunst seiner Zeit eine Sichtweise verkörpert und künstlerisch
fruchtbar zum Tragen gebracht hat, die auch 50 Jahre nach seinem Tod immer noch
aktuell ist. Sie betrifft und begeistert uns in dem Masse, wie die Welt sich
einzugestehen bereit ist, das alles miteinander zusammenhängt, nichts ohne das
Andere möglich ist und das auch schon in dem kleinsten Gedanken, der scheinbar
unbedeuternsten Idee, sofern sie bewusst wahrgenommen wird, das Potential einer
Veränderung liegt. Die Möglichkeit zur Veränderung der Welt – immanent in der
Wirklichkeit. Damit könnte bereits alles gesagt sein, so einfach es klingt, so
schwer war es Paalen zu Lebzeiten eine solche Sichtweise für sich und sein Werk
durchzusetzen, in seinem Werk in all seiner Komplexität umzusetzen und zu
vermitteln.
Paalens Sichtweise hob ihn schon damals aus dem Kreis seiner
Zeitgenossen ab und macht ihn heute noch zu einem Spezialfall der Moderne und
ihrer Geschichte, die sich nicht sonderlich leicht tut, für ihn einen Platz zu
finden. Das liegt ganz bestimmt auch an seiner Biografie, seiner Herkunft aus
Mitteleuropa, diesem hochkomplexen Austro-ungarischen Vielvölkerreich der Mitte,
dem er als in Wien als Sohn eines jüdisch-böhmischen Vaters mit baltischen Ahnen
und einer deutsch-katholischen Mutter geborenen entstammte, und das nach dem
1.Weltkrieg, wie sie alle wissen, zersplitterte und es seinen besonderen
Identitäten beinahe unmöglich machte noch eine festumrissene Identität – wenn
wir darunter auch Heimatverbundenheit meinen – aufrecht zu erhalten. So wie sich
nach seinem Tod kein Land so recht verantwortlich für sein Werk fühlte, ebenso
wenig konnte er selbst sich eigentlich Zeit seines Lebens auf ein Land berufen,
das ihm identitätsstiftend Boden unter die Füße geben hätte können. In der
Unsicherheit, in der existentiellen und vor allem auch geistigen Unsicherheit,
der er sich auch ganz bewusst aussetzte, liegt jedoch sein künstlerisches
Kapital verborgen, dessen Exploration er sich zum Lebensinhalt machte.
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